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Tödliche Gefahren bei der Waldarbeit und „Bonsai“-Fichten Klimastress

Forstamtsdirektor Alfons Leitenbacher erläutert bei Besichtigung die aktuelle Situation im Wald

02.11.2017

„Obwohl die Situation hier gerade wild aussieht, sind die Sturmschäden im Wald bei uns zum Glück relativ überschaubar geblieben“, erklärt Alfons Leitenbacher.

 Der Leitende Forstdirektor des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Traunstein steht zwischen riesigen Wurzeltellern und den abgeknickten Stämmen mehrerer Fichten. Die hat der Sturm vom 18. August wie Mikadostäbchen durcheinandergeworfen. 
Auf Initiative des Stimmkreisabgeordneten Klaus Steiner  aus Übersee hat sich Leitenbacher mit dem Politiker, Revierförsterin Petra Bathelt und Forstanwärterin Antonia Seidl im Lohholz südlich von Obing getroffen. Es geht um die aktuelle Situation im Wald und um die Zusammenhänge des Klimawandels mit Sturmschäden, Borkenkäferplage, Wildverbiss und den großflächigen Waldumbau. Steiner ist als Mitglied im Forst- und Agrarausschuss auch für die Mittelbereitstellung verantwortlich und will sich deshalb einen Überblick verschaffen. 

25 Todesfälle in Sturmjahren
Während im Hintergrund von fern kreischende Motorsägen zu hören sind, erläutern Leitenbacher und Bathelt am Beispiel mehrerer ineinanderverkeilter Stämme die Gefahren der Waldarbeit. Durch Bäume, die unter Spannung stehen, kommt es trotz intensiver Beratungen und Motorsägekursen immer wieder zu schweren oder tödlichen Unfällen. Bis zu 25 Todesfälle waren in Jahren mit schweren Sturmschäden zu beklagen. Schweres Gerät wie die Harvester mit ihren Sägen und Greifzangen bieten zumindest bei der zügigen Aufarbeitung von Sturmschäden Schutz. Rund 16.000 Besitzer von Privatwald gibt es in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land, die im Durchschnitt Grundstücksgrößen von drei Hektar bewirtschaften. 
Beim Gang durch den Wald bückt sich Revierförsterin Petra Bathelt plötzlich und zerreibt zwischen ihren Fingern braunen Holzstaub, der sich am Fuß einer Fichte abgelagert hat. „Das zeigt den Befall von Borkenkäfern an, obwohl man sonst noch nichts sieht“, erläutert sie. Ein leuchtendes „K“ auf den Nachbarstämmen deutet darauf hin, dass die Bäume zügig gefällt und weggeschafft werden müssen. Eine ganze Reihe der Fichtenstämme haben bereits tote Nadeln und die abgefallene Rinde darunter lässt die Frasspuren des Käfers erkennen. „Ein Weibchen hat 100.000 Nachkommen im Jahr, da gilt es schnell zu handeln“, sagt Leitenbacher. Das ist nicht immer leicht, weil eine ganze Reihe der Waldbesitzer nicht im nächsten Dorf, sondern weit entfernt wohnen und erst benachrichtigt werden müssen.
 
„Brotbaum“ Fichte unter Stress
Bis dato war die schnellwachsende Fichte mit einem Zuwachs von 15 Kubikmetern pro Hektar und Jahr auf über einer Million Hektar Fläche der „Brotbaum“ der bayerischen Waldbesitzer. Steigende Temperaturen und Trockenheit infolge des Klimawandels setzen den Flachwurzler aber unter Stress und bieten Stürmen und Borkenkäfer leichtere Angriffsflächen. Um großflächigen Schäden wie jetzt in Niederbayern, Preisverfall und Qualitätseinbußen langfristig vorzubeugen, will die Staatsregierung den Staats- und Privatwald in klimatolerante Mischwälder umwandeln. Ahorn, Eiche, Buche, Wildkirsche, Esche, Tanne und die aus Nordamerika eingeführte Douglasie sollen dabei helfen – unterstützt durch staatliche Forschungsanstalten. 
„Konkret wollen wir im Privatwald bis 2020 rund 100.000 Hektar, im Staatswald bis 2033 sogar 132.000 Hektar umbauen“, erklärt Klaus Steiner. „Der Klimawandel stellt die Forstwirtschaft in naher Zukunft vor eine der größten Herausforderungen.“ Umgekehrt ist der Wald durch seine hohe Bindung von Kohlendioxid auch ein überlebenswichtiger Verbündeter gegen den Klimawandel. Damit die natürliche Verjüngung des Waldes durch Aussamung der Bäume funktioniert, muss der Verbiss der Jungpflanzen durch Rehe kontrolliert werden. Was das konkret heißt, demonstriert Bathelt in zwei nahegelegenen Waldrevieren mit unterschiedlicher Bejagung des Wildes. 
 
Wild-Verbiss und Baumzwerge
Der Vergleich ist frappierend: In einem Fall kümmern zahlreiche verstreute, kaum 15 Zentimeter hohe und stark verbuschte  „Bonsai“-Fichten und Buchen mit zahlreichen Seitentrieben und Knospen ein trauriges Dasein. „Man mag es nicht glauben, aber die Bäume sind um die 15 Jahre alt“, sagt Leitenbacher sinnierend. In einem anderen Waldstück recken kräftig gewachsene, etwa drei Meter hohe Fichten im Verbund ihre Spitzen in die Höhe. „Das sieht schon eher nach Wald aus, die sind ebenfalls um die 15 Jahre alt“, erläutert Bathelt. Damit wird schnell klar, dass der ständige Verbiss die Verjüngung des Waldes verhindert und eine deutliche Wertminderung nach sich zieht. Vom Erholungswert ganz zu schweigen.
„Immerhin ist in 60 Prozent der Reviere im Landkreis die Verbiss-Situation in Ordnung“, sagt Klaus Steiner mit Verweis auf das alle drei Jahre erstellte Verbiss-Gutachten der Traunsteiner Forstverwaltung. Es könnte aber besser sein: Rund 70 Prozent sind es im Nachbarlandkreis BGL, für den das Forstamt auch zuständig ist. Leitenbacher, selbst aktiver Jäger, gesteht zu, dass die vielerorts von emotionalen Diskussionen begleitete Bejagung des Wildes nicht immer leicht ist. „Das Rehwild ist sehr lern- und anpassungsfähig, da muss ich dagegenhalten, was für manchen Feierabend-Jäger schwierig ist.“ Die gute Situation in der Mehrzahl der Reviere zeigt aber, dass eine zielgerichtete und waldgerechte Bejagung möglich ist.
 

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