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Mentalitätswandel als Chance für mehr Handlungsspielraum

Klaus Steiner im Gespräch mit Leiterin der Agentur für Arbeit Traunstein, Anette Farrenkopf

17.08.2011 | Traunstein
Klaus Steiner im Gespräch mit Leiterin der Agentur für Arbeit Traunstein, Anette Farrenkopf
Klaus Steiner im Gespräch mit Leiterin der Agentur für Arbeit Traunstein, Anette Farrenkopf

Die angekündigten Umstrukturierungen bei den Arbeitsagenturen, die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt im Landkreis Traunstein und die öffentliche Diskussion über eine verstärkte Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland standen im Mittelpunkt eines Gesprächs der Leiterin der Agentur für Arbeit Traunstein, Anette Farrenkopf, mit dem Traunsteiner Stimmkreisabgeordneten im Bayerischen Landtag Klaus Steiner im Rahmen von dessen Arbeitsbesuch.

Farrenkopf zeigte sich erfreut darüber, dassab kommendem Jahr die beiden Geschäftsstellen der Arbeitsagenturen in Altötting und Mühldorf in die Zuständigkeit der Hauptagentur in Traunstein wechseln sollen.Ziel der Veränderungen sei es laut Farrenkopf, die Struktur der Arbeitsagenturen an die kommunalen und föderalen Gegebenheiten anzupassen. Die Geschäftsstellen würden aber 1:1 bestehen bleiben.

 

Landtagsabgeordneter Steiner kritisierte die Reaktion einiger Kommunalpolitiker auf diese Entscheidung und den dabei zum Vorschein tretenden Wettbewerb der Landkreise und Städte. „Das widerspricht allen Bestrebungen und Initiativen für mehr regionale Zusammenarbeit wie etwa der Planungsregion 18. Ausschlaggebend für solche Strukturentscheidungen dürfen nicht politische Ränkespiele, sondern einzig und allein sachliche Kriterien sein.“

Äußerst positiv lesen sich die aktuellen Arbeitsmarktzahlen für den Landkreis Traunstein mit einer Arbeitslosenquote von 2,8 %, wobei sich Klaus Steiner besonders über die niedrige Jugendarbeitslosenquote von 1,9 % freute. Im Gegensatz zur Situation noch vor einigen Jahren sei laut Anette Farrenkopf der sich in einigen Branchen bereits jetzt zeigende Mangel an Fachkräften die große Herausforderung der Zukunft. Die öffentlich immer wieder aufkeimende Forderung nach mehr Zuwanderung von Arbeitskräften aus dem Ausland sei dabei ein Teil der Lösung. „Es wäre z.B. schon viel geholfen, wenn wir die Zahl der Schulabbrecher deutlich reduzieren könnten“, so Farrenkopf. Denn aktuell verließen 4,9 % aller jungen Menschen in Deutschland die Schule ohne einen Abschluss. Außerdem würden 15-20 % der Jugendlichen ihre Ausbildung abbrechen. „Hier sind die Wege in die Dauerarbeitslosigkeit meistens vorgezeichnet, was nicht nur unter sozialen Gesichtspunkten verheerend ist, denn jeder wird bei uns gebraucht“, so Farrenkopf. Auch in machen Ingenieursstudiengängen, deren Absolventen von der Wirtschaft händeringend gesucht würden, liege die Abbrecherquote bei ganzen 40 %. „Wenn wir an diesen Stellschrauben erfolgreich ansetzen, könnten wir den künftigen Fachkräftemangel schon mildern“, zeigte sich die Agenturleiterin überzeugt. „Die Zuwanderung muss parallel zur Aktivierung unserer inländischen Arbeitskräfte geschehen; ein eingleisiges Vorgehen trägt nicht“. Auch eine Erhöhung der Frauenerwerbsquote sei dringend notwendig, weshalb Staat und Wirtschaft die Vereinbarkeit von Familie und Beruf deutlich verbessern müssten.

Für Klaus Steiner zeigten Farrenkopfs Ausführungen, dass die Forderungen nach mehr Zuwanderung in mehrerlei Hinsicht an der Realität vorbeigingen. „Wir führen hier in weiten Teilen eine oberflächliche Scheindebatte. Wir müssen zunächst einmal alle bereits im Land vorhandenen Potenziale nutzen und in den angesprochenen Bereichen Schul-, Ausbildungs- und Studienabbrecher ansetzen“, so Steiner. Auch könne es nicht angehen, dass viele Arbeitnehmer, die älter als 50 sind, trotzt Geeignetheit von den Unternehmen nicht eingestellt würden. Im Gegenteil hätten viele Großunternehmen in der Vergangenheit Arbeitnehmer aus dieser Generation entlassen. „Bevor wir über mehr Zuwanderung reden, ist zunächst einmal ein Mentalitätswandel in der Wirtschaft erforderlich“, mahnte Steiner deshalb. Innerhalb der Europäischen Union existiere ohnehin längst die Freizügigkeit von Arbeitskräften, seit Mai auch für Osteuropa. Der erwartete Ansturm von dort auf den deutschen Arbeitsmarkt sei aber ausgeblieben. Der CSU-Kreisvorsitzende dazu: „Ich frage mich zudem, in welchen Ländern von innerhalb und außerhalb der EU die in Deutschland gesuchten Fachkräfte eigentlich vorhanden sind und ob diese überhaupt zu uns kommen wollen. Falls ja, bringen sie dann das erforderliche Ausbildungsniveau und die sprachlichen Voraussetzungen mit?“

Auch die Beschränkung der Debatte um den Fachkräftemangel auf akademische Berufe und IT-Kräfte ist Steiner zu oberflächlich. „Ein Blick in die Liste der Mangelberufe hier im Landkreis Traunstein zeigt: Wir brauchen auch mehr Metallbauer, CNC-Fräser, Bäcker, Metzger, Werkzeugmacher, Maurer, Maler, Krankenpfleger und so weiter. Vor diesem Hintergrund halte ich auch die immer wieder auftauchenden Forderungen nach Abschaffung der Hauptschule für völlig verfehlt. Denn deren Absolventen werden gerade in diesen Berufen dringend gebraucht. Deshalb wollen wir die Hauptschule mit dem Konzept der Mittelschule stärken anstatt sie abzuschaffen“, so der Traunsteiner Stimmkreisabgeordnete abschließend.

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