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„Wir Hausärzte brauchen endlich wirtschaftliche Planungssicherheit“

Hausärzte der Region im Gespräch mit Staatssekretärin Melanie Huml und Klaus Steiner

17.08.2011 | Traunstein
Im Gespräch: Hausärzte der Region mit Staatssekretärin Melanie Huml und Klaus Steiner
Im Gespräch: Hausärzte der Region mit Staatssekretärin Melanie Huml und Klaus Steiner

Auf Einladung des Traunsteiner Stimmkreisabgeordneten Klaus Steiner nutzten zwanzig Vertreter der Hausärzte aus allen Bereichen des Landkreises Traunstein die Gelegenheit, Gesundheitsstaatssekretärin Melanie Huml im Rahmen eines gemeinsamen Gesprächs im Parkhotel Traunstein die Lage der Hausärzte in den einzelnen Gemeinden zu schildern.

In seiner Begrüßung betonte Klaus Steiner die besondere Bedeutung einer hochwertigen und flächendeckenden ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum gerade in einem Flächenland wie Bayern. Diese auch in Zukunft gewährleisten zu können stelle vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung mit immer mehr alten Menschen eine enorme Herausforderung dar. Laut Staatssekretärin Huml seien sich Bund und Länder auch einig, dass jetzt mittels eines des „Versorgungsgesetztes“ gehandelt werden müsse. Dessen Grundzüge lägen bereits vor und würden aus bayerischer Sicht einige Verbesserungen beinhalten. „Für die Hausärzte relevante Neuregelungen betreffen vor allem die Arztniederlassung, die ärztliche Vergütung, die Nachwuchsgewinnung und die Bedarfsplanung“, so Huml. Für den Planungsbereich Traunstein sei grundsätzlich eine Überversorgung für nahezu alle Arztgruppen festzustellen, wobei Huml jedoch eingestand: „Der Versorgungsgrad sagt aber nichts über die Verteilung der Ärzte im Planungsbereich. Generell gibt es eher eine Konzentration in den Ballungsräumen, während im ländlichen Raum immer wieder lokale Versorgungsengpässe beklagt werden.“ Deshalb solle nach dem Willen der Bayerischen Staatsregierung die Bedarfsplanung künftig regionalisiert und flexibler gestaltet werden.

 

In der anschließenden Diskussion machten die anwesenden Hausärzte ihrem Unmut deutlich Luft. „Wir bräuchten heute kein Versorgungsgesetz oder irgendwelche anderen Maßnahmen, wenn die Bundesregierung den Paragraphen 73b des Sozialgesetzbuches in der Fassung beibehalten hätte, wie sie erst vor wenigen Jahren auf massiven Einsatz der bayerischen Hausärzte und der CSU hin beschlossen worden war“, so etwa Dr. Beyer aus Traunwalchen. Dass man diesbezüglich nach der Bundestagswahl dem Willen der FDP nachgegeben habe bezeichnete er als „Ursünde“ gegenüber der Situation der Hausärzte im ländlichen Raum. Laut Dr. Rudolf Bauer aus Siegsdorf hörten die Hausärzte von Seiten der Politik seit langem, wie wichtig sie seien, „die tatsächliche Lage für uns ist aber immer nur schlechter geworden.“

 

Durch die aus Sicht der Hausärzte vollkommen haltlose fristlose Kündigung der Hausarztverträge im vergangenen Dezember zuerst durch die AOK, dann durch fast alle übrigen Kassen sei es zu einem drastischen Verfall der Hausarzthonorare gekommen. Ohne diese Hausarztverträge bekomme der Hausarzt für die Rundumbetreuung eines Patienten jetzt nur noch etwa 15 Euro im Monat. Dazu komme, dass ein Teil dieses ohnehin schon beschämenden Honorars derzeit festgehalten und nicht ausgezahlt werde. „Dadurch geraten immer mehr Hausarztpraxen unverschuldet in ernste finanzielle Bedrängnis. Das ausbezahlte Geld reicht jetzt zum Teil nicht einmal mehr zur Bezahlung von Personal und Räumen“, so mehrere Hausärzte unisono. Diese von den Kassen herbeigeführte Lage halte jeden jungen Arzt davon ab, einen freiwerdenden Hausarztsitz im Landkreis zu übernehmen. „Wer will denn unter diesen Umständen schon nach einem langem Studium und fast ebenso langer Weiterqualifizierung eine Praxis mit einem zwölf- bis vierzehnstündigen Arbeitstag und anschließender Nacht- und Wochenendbereitschaft bei gleichzeitig immenser Verantwortung übernehmen“, fragte der Sprecher der Hausärzte, Dr. Martin Metz aus Übersee. Daher sei nun mittlerweile auch der früher sehr begehrte Landkreis Traunstein mit Hausärzten unterversorgt, wodurch sich die Lage in den kommenden Jahren zuspitze, auch weil mehr als die Hälfte der hier ansässigen Hausärzte älter als 55 Jahre seien und in absehbarer Zeit ihre Praxis aufgäben. „Wir brauchen endlich wirtschaftliche Planungssicherheit für unsere Praxen“, forderte Dr. Metz stellvertretend für alle Anwesenden, ansonsten gingen sie entweder pleite oder müssten mangels Nachfolger schließen. Dann hätten die Bürger keine hausärztliche Versorgung mehr vor Ort durch „ihren“ Hausarzt, sondern allenfalls ein anonymes Versorgungszentrum in der Kreisstadt. „Wer als Hausarzt tätig ist, kann nur entweder wie ein Kaufmann oder wie ein Seelsorger arbeiten. Sorgen Sie mit alle Ihren politischen Möglichkeiten dafür, dass unsere Köpfe endlich wieder frei werden für unsere eigentliche Aufgabe, dem Dienst am Menschen“, so Metz am Ende des Gesprächs an die Adresse von Staatssekretärin Huml.

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