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Werbung für die Mittelschule

Fachgespräch des Arbeitskreises Schule

10.07.2011 | Seeon
Sepp Daxenberger und Klaus Steiner warben für die Mittelschule
Sepp Daxenberger und Klaus Steiner warben für die Mittelschule

Bei einer von der CSU initiierten Veranstaltung zum kontroversen Thema „Die Bayerische Mittelschule“ ging es in Seeon um die Herausforderungen und Chancen der in diesem Schuljahr im Landkreis erprobten Weiterentwicklung der Hauptschule. Der Grundtenor der Fachleute: Der eingeschlagene Weg ist richtig und unumstößlich, muss aber noch optimiert werden. Für einen nachhaltigen Erfolg der Mittelschule gelte es zudem, mehr Werbung in eigener Sache zu betreiben.

 
Mächtige Gewitterwolken zogen über den Seeoner See auf, als der CSU-Ortsverband Seeon-Seebruck-Truchtlaching und der „Arbeitskreis Schule, Bildung und Sport“ des CSUKreisverbandes Traunstein am Dienstagabend im Gasthof „Zum Alten Wirt“ in Seeon zu der Diskussion einluden. Wer nun dachte, bei der von Dr. Helmut Wittmann moderierten Veranstaltung würde es ähnlich turbulent zugehen wie in der schwülwarmen Luft draußen, wurde schnell eines Besseren belehrt: Die Thematik wurde in ruhiger, sachlicher Atmosphäre informativ erläutert und diskutiert. Kritische Stimmen waren nur wenige zu vernehmen.
 
Zunächst referierten Schulrat Otto Mayer, der Schulleiter der Trostberger Mittelschule, Franz Freutsmiedl, Klaus Steiner, Stimmkreisabgeordneter im Landtag und Mitglied des Bildungsausschusses, und der Seeoner Unternehmer Josef Daxenberger. Wittmann, ausgewiesener Kenner der Hauptschule, mahnte eingangs, dass das pädagogische Angebot dem demografischen Wandel und den damit verbundenen gesellschaftlichen Veränderungen unbedingt angepasst werden müsse. „Die Politik muss handeln, und sie hat bereits gehandelt“, stellte der ehemalige Ministerialdirigent im Kultusministerium mitBlick auf die neuen Mittelschulen fest. Dabei gehe es nicht nur um eine neue Verpackung, sondern um eine inhaltliche Weiterentwicklung, so Wittmann.
 
Otto Mayer berichtete den Besuchern, unter ihnen viele Lehrer, über den 2010 ins Leben gerufenen Mittelschulverbund „Mittleres Alztal“ mit Trostberg, Altenmarkt, Tacherting und Obing. Trotz sinkender Schülerzahlen könnten damit Schulstandorte dauerhaft gesichert und Klassen vor Ort gehalten werden. Unter dem nicht selbst verschuldeten Imageproblem der Hauptschule hatten alle Beteiligten lange zu leiden, so Mayer. „Die Mittelschule holt uns aus der Ecke ein wenig raus, das haben sich Schüler, Lehrer und Eltern auch verdient.“
 
Zentrales Merkmal der Mittelschule ist die Berufsorientierung. Die Klassenlehrkraft, die weiter als wichtige Bezugsperson fungiert, werde oft von speziell ausgebildeten Förderlehrkräften unterstützt. Das Gütesiegel „Mittelschule“ erhält eine Hauptschule mit breitem Bildungsangebot aber nur dann, so Mayer, wenn sie über die drei berufsorientierten Zweige Technik, Wirtschaft und Soziales sowie ein Ganztagesangebot verfüge. Zudem müsse eng mit einer Berufsschule, der regionalen Wirtschaft und der Arbeitsagentur zusammengearbeitet und ein mittlerer Schulabschluss angeboten werden.
 
Franz Freutsmiedl stellte das Erfolgsrezept seiner Schule im Mittelschulverbund „Mittleres Alztal“ dar, in dem eigenständige Schulen mit eigenen Rektoren in hervorragender Weise zusammenarbeiten. So werden die Schüler individuell gefördert und mit lebensnahem Unterricht, Projektarbeit und Betriebspraktika möglichst praxisnah auf das Berufsleben vorbereitet. Die Bandbreite der modularen Förderung reicht von den Praxisklassen mit lern- und leistungsschwächeren Schülern (Basisniveau), über die Regelklassen (Regelniveau) bis zu den M-Klassen (Mittlere-Reife-Niveau) mit besonders leistungsstarken Schülern.
 
Für Freutsmiedl ist die Mittelschule „eine sehr gute Alternative zu den anderen Schularten, und die Hauptschulabschlüsse und der Mittlere Schulabschluss werden von den Betrieben anerkannt.“ Der Erfolg der Mittelschule stehe und falle allerdings mit der Anzahl der Lehrer und Unterrichtsstunden.
 
Klaus Steiner betonte, dass es nun wichtig sei, „Kurs zu halten“ und bei der Budgetierung der Mittelschulen die notwendigen Entscheidungen zu treffen. Zudem verteidigte der CSULandtagsabgeordnete das mehrgliedrige und durchlässige bayerische Schulsystem und schloss die Gründung von Einheits- oder Gesamtschulen aus. Die Mittelschule als Weiterentwicklung der Hauptschule sei die „richtige Antwort auf die bildungspolitische Gleichmacherei in anderen Bundesländern“.
 
In Zukunft könne die Mittelschule auch einen bedeutenden Beitrag zur Behebung des Fachkräftemangels leisten. Dabeistelle sich laut Steiner durchaus die Frage, ob überhaupt so viele Abiturienten und Akademiker benötigt würden wie immer gefordert werde. Die fehlende „soziale Grundausstattung“ einiger Schüler könne hingegen nicht von Schulen und Sozialarbeitern aufgefangen werden. „Hier dürfen die Eltern keineswegs aus ihrer Verantwortung entlassen werden“, mahnte Steiner.
 
Der CSU-Ortsvorsitzende und Handwerksmeister Josef Daxenberger kritisierte, dass Haupt- und Mittelschüler häufig als „Restschüler“ diskriminiert werden. „In Wirklichkeit sind sie unser Rückgrat, ja unsere Lebensversicherung!“ Motivierte junge Menschen hätten heute mit einer abgeschlossenen Lehre beste berufliche Aufstiegsmöglichkeiten. Das Leben entscheide sich nicht in der vierten Klasse, dennoch müssten die Eltern bei der Schulwahl genauer abwägen, „denn Rückkehrer von Realschulen oder Gymnasien gelten leider als Verlierer“. Junge Menschen zu fördern, sie bestmöglich auszubilden und beim Berufseinstieg zu begleiten betrachte er weiterhin als wichtige Gemeinschaftsaufgabe von Schulen, Eltern und Betrieben. Daxenberger appellierte abschließend an die heimische Wirtschaft, ausreichend Arbeits- und Ausbildungsplätze zu schaffen, damit Talente in der Region sesshaft bleiben.
 
Zu Beginn der Podiumsdiskussion trat der ehemalige Rektor der Hauptschule Obing, Ludwig Bürger, als entschiedener Verfechter der Hauptschule in Erscheinung. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) sei nicht, wie fälschlicherweise immer behauptet werde, für die Einheitsschule, sondern für längere gemeinsame Schulzeiten. Damit könnte der immense Leistungsdruck in den 3. und 4. Grundschulklassen deutlich reduziert werden. Ein anderer Gast warf kritisch ein, dass insbesondere am Schuljahresende zu wenig mobile Reserven zur Verfügung gestanden hätten und dadurch viel Unterricht ausgefallen sei.
 
Bürgermeister Konrad Glück bedauerte, dass vergleichsweise wenige Eltern der Veranstaltung beiwohnten. Es gehe nun darum, die Skeptiker von den positiven Errungenschaften und Chancen der Mittelschule zu überzeugen. Darüber hinaus müsse alles dafür getan werden, die „Haltbarkeit der Mittelschule“ zu gewährleisten, und zwar nicht nur in der Begrifflichkeit.

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