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MdL Klaus Steiner: „Almbauern vor existentiellen Herausforderungen“

02.07.2020

Übersee. Aktuelle Fragen und Herausforderungen der Almwirtschaft standen im Mittelpunkt einer Diskussionsrunde der Bezirksalmbauern im Chiemgau mit Klaus Steiner, Mitglied im Agrar- und Umweltausschuss des Bayerischen Landtags.

Nach den Worten von Ludwig Böddecker, Ruhpolding, werde zwar die Almwirtschaft wegen der biologischen Vielfalt und Nachhaltigkeit von allen Seiten gelobt, auf der anderen Seite würden sie aber mit Großbetrieben wie in anderen Bundesländern in einen Topf geworfen.

„Wir fühlen uns vielfach alleingelassen“, so der Ruhpoldinger Bezirksalmbauer. Er bezog diese Kritik insbesondere auf „praxisfremde“ Forderungen des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“, die Anforderungen der neuen Düngeverordnung und die Diskussion um Wölfe in den bayerischen Alpen. Franz Mühlberger aus Reit im Winkl kritisierte, dass in diesen Debatten oft Akteure den Ton angäben würden, die wenig Ahnung von der Almwirtschaft hätten. 

Klaus Steiner unterstrich die landesskulturelle und agrarökologische Bedeutung der Almwirtschaft, betonte aber auch, dass sich die Almbauern davon „nichts kaufen könnten“. Vielmehr sei eine konkrete Unterstützung der Almwirtschaft notwendig. „Die Almbauern stehen vielfach vor existentiellen Herausforderungen“. Aus diesem Grund vertrete er im Landtag seit Jahren mit Nachdruck die Interessen der Almbauern, die oftmals aufgrund von strukturellen Veränderungen in den Talbetrieben auch auf den Almen reagieren und die Bewirtschaftung ändern müssen. „Um die dauerhafte Bewirtschaftung und damit das Freihalten der Almen zu sichern war z.B. die Erhöhung des Fremdviehanteils dringend notwendig, genauso wie die Verlängerung der Auftriebszeiten, Verbesserung beim Almwegebau, um die Bewirtschaftung zu erleichtern. „In enger Abstimmung mit dem Verband der Forstberechtigten im Chiemgau haben wir das vorangebracht und wir werden weiter dranbleiben“. Zudem fördern wir über unsere agrarökologischen Programme die kleinteilige Landwirtschaft wie kein anderes Bundesland“.

Deutliche Kritik übte Ludwig Böddecker an der Diskussion um Wölfe etwa in den Chiemgauer Bergen. „Wenn sich hier dauerhaft Wölfe ansiedeln, ist das das Ende der Almwirtschaft im Chiemgau oder anderen Regionen Bayerns.“

Die Errichtung von Schutzzäunen sei in den Bergen nur schwer möglich und der Einsatz von Schutzhunden bei Rindern oder Pferden völlig unrealistisch. Hunde auf den Almen würden zudem den Wanderbetreib auf den Almen unmöglich machen. Steiner sprach von einem unlösbaren Konflikt: „Es geht nicht um die Frage ob wir den Wolf oder Bär wollen oder nicht, sondern darum, ob dies Tierarten in den bayerischen Alpen, wo Almwirtschaft und intensiven Freizeitnutzung stattfinde, die von internationalen Verkehrsachsen, Siedlungsräumen durchzogen sei, einen artgerechten Lebensraum finden. Steiner zeigte volles Verständnis für die Argumente der Almbauern und forderte den „Abschied von der Lebenslüge“, dass der Wolf in den bayerischen Bergen noch einen passenden Lebensraum finde. „Den Lebensraum für großen Beutegreifer gibt es bei uns nicht mehr“.

 

„Kein Almbauer wird seine Rinder auftreiben und das Risiko eingehen, Tiere durch Wolfrisse zu verlieren. Außerdem bekommen wir kein Personal mehr auf die Almen, wenn dort Bären oder Wölfe ihr Revier haben“, so Mühlberger. Es müsse allen bewusst sein, dass damit die Bewirtschaftung der Almen und eine kleinteilige Produktion von hochwertiger Milch oder Fleisch ein Ende habe. 

 

Vor weiteren Herausforderungen steht die Almwirtschaft durch die stark zunehmende Freizeitdruck in den Bergen. „Viele sehen in den Almen zunehmend Freizeitparks und oftmals haben wir es mit einer großen Rücksichtslosigkeit von Wanderern oder Radfahrern zu tun“, betonte Franz Mühlbauer. 

 

Scharfe Kritik übten die Almbauern an der Neuordnung er Düngeverordnung. „Die kleinteilige Landwirtschaft im Chiemgau wird mit der Agrarindustrie in den nördlichen Bundesländern in einen Topf geworfen.“, kritisierte Böddecker. Gerade diejenigen, die sich oft über das Höfesterben beklagen, dann aber die Landwirte über einen Kamm scheren, seien sich nicht bewusst, dass die kleinen Betriebe, die auch im konventionellen Bereich, wie eben viele Almbauern, nachhaltig wirtschaften, dadurch zum Aufhören gezwungen werden.

„Wir reden bei uns von einer kleinteiligen Landwirtschaft, welche wir alle wollen und werden aber von der Düngeverordnung genauso stark belastet wie ein großer Agrarbetrieb“, so Mühlberger.

In der Diskussion um die Düngeverordnung habe Bayern nichts Unmögliches gefordert und Anträge im Sinne der Umwelt und der guten fachlichen Praxis in der Landwirtschaft gestellt, so Steiner. 

Auch der Antrag Bayerns die geplanten Aufzeichnungsfristen für Düngemaßnahmen von zwei auf 14 Tage zu verlängern, fand im Bundesrat keine Mehrheit. Dass die Neuregelungen für Landwirte in besonders belasteten Gebieten bis zum 1. Januar ausgesetzt werden, sei „das Mindeste“, so Klaus Steiner weiter. Bayern wolle weiterhin bei der Ausweisung der Roten Gebiete schnell vorankommen und die Regelungen praxisgerecht umsetzen. „Leider haben wir im Bundesrat nicht annähernd die Mehrheit“.

Rund 60 000 Landwirte in Bayern profitieren derzeit von der Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete und Bergregionen. 110 Mio. € sind dafür vorgesehen, doch die bisherigen Kriterien zur Abgrenzung der benachteiligten Gebiete lässt die EU-Kommission nicht länger gelten. Almbauer Böddecker mahnte, dass gerade für die kleineren Betriebe diese Gelder jedoch überlebensnotwendig seien. „Sonst gehen bei vielen von uns endgültig die Lichter aus“. Nach Erfüllung der Brüsseler Vorgaben fallen rund 236 000 ha Fläche aus der Förderkulisse heraus. Steiner sagte zu, das Thema im Landtag anzusprechen.

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