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"Schutzmaßnahmen nicht praktikabel"

Nach etlichen Wolfsrissen informiert sich MdL Klaus Steiner bei Schafzüchtern in Reit in Winkl

29.07.2020 | Axel Effner
Züchter Willi Gstatter (rechts) aus dem Reit im Winkler Ortsteil Ötzleiten beklagt den Verlust von neun Schafen durch Wolfsrisse. Der Stimmkreisabgeordnete Klaus Steiner informierte sich über die Situation.
Züchter Willi Gstatter (rechts) aus dem Reit im Winkler Ortsteil Ötzleiten beklagt den Verlust von neun Schafen durch Wolfsrisse. Der Stimmkreisabgeordnete Klaus Steiner informierte sich über die Situation.

Wie geht man in Bayern künftig mit den Wölfen um? Nach aktuellen Wolfssichtungen in den Landkreisen Bamberg und Weilheim-Schongau war es bereits im Juni zu Wolfsrissen von Schafen in Garmisch-Partenkirchen sowie in Reit im Winkl und im benachbarten Kössen auf österreichischer Seite gekommen. In der vergangenen Woche schlug der todbringende Räuber dort erneut zwei Mal zu: Im Bereich Kössen und Walchsee wurden am Montag fünf und am Donnerstag zusätzlich zehn gerissene Schafe entdeckt. Ein weiteres Tier musste eingeschläfert werden. Steht damit jetzt sogar die Zukunft der Almwirtschaft und damit ein wichtiger Stützpfeiler des bayerischen Tourismuskonzepts mittelfristig vor dem Aus?

Ein aktuelles Bild von der Situation machte sich der Stimmkreisabgeordnete Klaus Steiner (CSU) bei einem Besuch auf dem Hof von Willi Gstatter (65) und seinem Sohn Florian (41) im Reit im Winkler Ortsteil Ötzleiten. Beide Züchter hatten Ende Juni den Verlust von neun gerissenen Schafen zu beklagen (wir berichteten). Zwei der Tiere sind nach der vermuteten Attacke eines Wolfs bis heute nicht wieder aufgetaucht. Der selbe Angreifer riss wohl auch auf der Naringalm in Kössen vier Schafe. Das ergaben vergleichende Gentests des Bayerischen Landesamts für Umwelt und der Tiroler Behörden. Ob es ein Wolf oder ein Wolfshund war, sollen weiterführende Tests ermitteln. Die DNA-Sequenz des Angreifers, die an den Kadavern der Schafe festgestellt worden sind, kommt sowohl bei Wölfen aus Südosteuropa wie auch bei Hundezüchtungen wie dem Wolfshund vor.

"Es war ein herzzerreißender Anblick, als wir die Schafe mit aufgerissenem Euter und durchbissener Kehle gefunden haben", sagte Willi Gstatter. "Ein schwerverletztes Tier mussten wir von seinem Leiden erlösen." Steiner interessierte vor allem eine Einschätzung des im bayerischen "Aktionsplan Wolf" festgelegten Maßnahmenkatalogs. Er soll den Belangen des streng unter Schutz gestellten Wolfs und der Weidetierhaltung der Bauern, speziell auch auf den Almen, Rechnung tragen.

Für "unpraktikabel" hat bereits die Begutachtung der Weideschutzkommission die Umzäunung der vier Weideflächen der Gstatters im Tal und auf den Almen erachtet, informierte Florian Gstatter. "Aufgrund der Schneelast müssten wir den bis zu 20000 Euro teuren, 1,40 Meter hohen Schutzzaun, der permanent elektrisch geladen ist, im Herbst ab- und im Frühjahr wieder aufbauen." Das sei nicht machbar, der Erfolg zudem fraglich. Dazu schneide der Schutzzaun auch die im eingegrenzten Bereich lebenden Tiere, darunter etwa Murmeltiere, von der Umgebung ab. Ein weiteres Manko sei die völlig unübersichtliche Vielzahl von Angeboten für die Realisierung des teuren Schutzzauns.
 

"Und wie sieht der Einsatz von Herdenschutzhunden hier in Reit im Winkl aus?", wollte Steiner wissen. "Ein Herdenschutzhund kostet im Jahr 1000 Euro, er erfordert vom Halter einen speziellen Sachkundenachweis, weil er in die Kategorie Kampfhunde fällt, und ist erst ab Herden von 50 Tieren sinnvoll", informierte Willi Gstatter. In seinem Fall wären sogar zwei Schutzhunde nötig. Neben der Frage der richtigen Erziehung und Prägung des bewegungsfreudigen Hunds und der Beschäftigung im Winter treibe ihn vor allem die Konfrontation mit Touristen und Rindern in der gut erschlossenen Chiemgauer Almenwelt um, ergänzte der Züchter.

Aufgrund hoher bürokratischer Hürden, entsprechender Nachweise und zeitlicher Verzögerungen sei auch die vom Staat angebotene Entschädigung bei Schafrissen schwierig. "Ich bekomme für meine gerissenen Milchschafe keinen Ersatz, muss aber Lieferverträge erfüllen", argumentierte Florian Gstatter. Bei einer bestimmten Zahl von Rissen sehe er das nebenberuflich betriebene Geschäft mit seinen rund 170 Milchschafen mit Lämmern in Gefahr. "Die Konsequenz ist, dass ich die Almen nicht mehr bewirtschaften kann, sondern die Tiere nurmehr im sicheren Laufhof halte."

Steiner erläuterte, dass der Wolf aus seiner Sicht in eng besiedelten Tourismusgebieten wie im bayerischen Alpenraum "keinen artgerechten Lebensraum" habe und "Entnahmeregelungen neu diskutiert" werden müssten. Angesichts von Tagesrouten bis zu 70 Kilometern habe der Wolf einen erheblichen Radius. Die Diskussion leide auch unter falsch verstandener Natur- und Tierliebe: "Würde ein Pferd vom Wolf gerissen", könnte sich der Wind in der Auseinandersetzung schnell drehen. Auch beim Kormoran, Biber, Gänsesäger oder Fischotter müsse die berechtigte Unterschutzstellung Hand in Hand gehen mit Nachbesserungen für eine praktikable Entnahmeregelung im Fall von Schäden und Überpopulationen.

Abgeordnetenbüro Klaus Steiner, MdL

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