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MdL Klaus Steiner: „Lebensmittelverschwendung – an Fakten orientieren“

21.12.2020
v.l.n.r. Joseph Pfeilstetter (Geschäftsführer EDEKA Pfeilstetter), Maximilian Kurz (Filialbetreuer), MdL Klaus Steiner
v.l.n.r. Joseph Pfeilstetter (Geschäftsführer EDEKA Pfeilstetter), Maximilian Kurz (Filialbetreuer), MdL Klaus Steiner

TRAUNSTEIN. „Wir müssen mit Nachdruck und auf breiter Ebene weiter gegen die Verschwendung von Lebensmittel ankämpfen, aber wir brauchen dazu auch eine ehrliche und an den Fakten orientierte Analyse des Problems“. Dieses Fazit zog der Traunsteiner Stimmkreisabgeordnete, Klaus Steiner, nach einem Gespräch mit Vertretern des Einzelhandels in Traunstein.

Steiner, als Mitglied im Agrar- und Umwelt Ausschuss, sowie als entwicklungspolitischer Sprecher der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag laufend mit zentralen Fragen der Ernährung auf nationaler und internationaler Ebene befasst, interessierte die Sicht des Lebensmittelhandels, dem nach seinen Worten, immer wieder massive Vorwürfe beim Umgang mit nicht verkauftem Lebensmittel gemacht würden. Er bezog dies insbesondere auf die Frage der Entnahme von weggeworfenen Lebensmitteln aus Containern.

Wie akut das Problem ist, zeigt die hohe Zahl von 12 Mio. Tonnen Lebensmittel, die jährlich in Deutschland auf dem Müll landen.

Auf die Rolle des Einzelhandels angesprochen, erklärte Joseph Pfeilstetter (EDEKA): „Wir sind uns der Verantwortung des Einzelhandles völlig bewusst und ziehen alle Register, um Lebensmittel nicht einfach wegzuwerfen und wir stellen uns auch der Verantwortung“.

Als Beispiel führte er die enge Zusammenarbeit mit den Tafeln an, die kontrolliert Lebensmittel für Bedürftige abholen und verteilen. Die meisten großen Handelsketten geben mittlerweile übriggebliebene und noch verwertbare Lebensmittel an die Tafel, welche dann selbsttätig nochmals aussortiert und ebenfalls auf Sauberkeit achtet.

Gerade hier liege aber der Unterschied zur unkontrollierten Abgabe oder der Problematik des „Containerns“, also das unerlaubte Entnehmen aus dem Supermarkt Container, so Maximilian Kurz, Filialmanager.

„Auf den ersten Blick ist es nur schwer verständlich, wenn die Entnahme von Lebensmitteln - sozusagen aus der Mülltonne - rechtswidrig ist. Bei sorgfältiger Betrachtung gibt es dazu aber keine Alternative“.

Im Laden unterlägen die Waren höchsten Hygiene Standards, Haltbarkeitsvorschriften, verbunden mit der Haftung des Lebensmittelhandels. „Wer haftet, wenn Lebensmittel unkontrolliert, quasi aus dem Müllcontainer in Umlauf gelangen und irgendetwas passiert“, fragte Kurz. 
Zudem könne es nicht sein, dass Waren aus dem Container entnommen würden und dann auf dem Parkplatz getauscht oder verkauft würden.

Viel gravierender sei für ihn aber die Tatsache, dass 64 Prozent der weggeworfenen Lebensmittel in Privathaushalten bzw. beim Essen außer Haus anfallen und lediglich 4 Prozent im Einzelhandel.

Angesichts der Fakten bezweifelte Willi Nolte die Wirksamkeit von politischen Vorgaben, man könne nur appellieren. Wieder einmal komme der Eigenverantwortung eines jeden Einzelnen eine zentrale Verantwortung zu. 

Klaus Steiner betonte, dass die Politik nicht lockerlassen dürfe, forderte aber eine ehrliche Diskussion, um das Problem anzugehen.  Die Politik kann nicht per Gesetz den Umgang mit Lebensmitteln im Haushalt regeln, wichtig sei hingegen bereits den Kindern in der Schule den verantwortungsbewussten Umgang mit Lebensmittel - und vor allem die Verarbeitung, das Kochen und die sinnvolle Verwertung von Resten zu vermitteln. Über den Lehrplan Plus werde vom Freistaat Bayern darauf ein Schwerpunkt gelegt, um hier fächer- und schulartübergreifend Schwerpunkte zu setzen.

Joseph Pfeilstetter wies aber auch auf die hohen Erwartungen der Kunden in der täglichen Praxis beim Einkauf hin. Bananen mit kleinen Flecken, die krumme Gurke oder der Anschnitt einer Wurst würden oft in der Theke liegenbleiben, weil optisch einwandfreie Ware gefragt sei, auch wenn der Geschmack der gleiche oder sogar noch besser sei. „Das ist die Realität“, so Pfeilstetter. Bis zum Ladenschluss erwarte der Kunde zudem die ganze Bandbreite des Angebots, was z.B. in der Bäckerei dazu führe, dass nach Ladenschluss viele Backwaren im Container landen.

Pfeilstetter sprach ebenfalls die verschiedenen Handelsklassen an. So darf nur Ware der Handelsklasse 1 in den Verkauf gelangen. Wird bei einer Gurke z.B. eine gewisse Krümmung überschritten, darf diese erst gar nicht angeliefert werden. „Der Verbraucher entscheidet“, resümierte Pfeilstetter.

„Es klingt paradox, aber es ist die Realität, dass gerade die strengen Vorschriften zum Schutz der Verbraucher in Deutschland häufig zu Weg- 
werfaktionen führt“, sagte Kurz. Geringste Unzulänglichkeiten z.B.  Druckfehler auf den Verpackungen, würden oft große Vernichtungsaktionen auslösen. Wöchentlich gebe es in ganz Deutschland mehrere solcher Aktionen mit der Folge, dass ganze Chargen ausgesondert werden müssten. 

In England gäbe es kein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD), dafür den sog. „Best Before“ Hinweis, also die Ware am besten vor einem bestimmten Datum verzehren. „Was nicht gleich heißt, dieses Produkt wird nach diesem Datum schlecht“, so Pfeilstetter. Dies wäre eine elementare Forderung aus dem Handel, die Verankerung in den Köpfen der Verbraucher zu beseitigen, dass Lebensmittel direkt am Tag des MHD schlecht sind.

„Viele sind zwar gegen das Verschwenden von Lebensmitteln, aber zu viele orientieren sich nicht an den Fakten“, meinte Willi Nolte.
Steiner warb an dieser Stelle für die neue „stocky-App“, welche speziell für den nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln entwickelt wurde. Das Bayerische Landwirtschaftsministerium hat in Zusammenarbeit mit dem Frauenhofer-Institut für Materialfluss und Logistik eine funktionelles Verbraucherprogramm entwickelt, welches ein sinnvolles Ernährungsverhalten, optimale Lebensmittelvorratsplanung oder bei einer idealen Resteverwertung unterstützt. „Seitens der Regierung werden unzählige Programme und Aufklärungsinitiativen angeboten, annehmen muss es letztlich allerdings aber der Verbraucher“, so Steiner. 

Joseph Pfeilstetter nutze die Gelegenheit zunehmende Onlinebestellungen auch bei Lebensmitteln anzusprechen. Auch hier sei eine große Widersprüchlichkeit in der öffentlichen Diskussion festzustellen. „Viele Verbraucher beklagen das Sterben des Einzelhandels in unseren Städten und Dörfern, aber viele kaufen eben auch zunehmend über das Internet ein“. Sogar Wurst, Fleisch oder Bier werde immer häufiger online bestellt. Klaus Steiner wies auf die intensiven Bemühungen des Freistaates im Bereich Dorferneuerung und viele andere Initiativen hin, um die Innenstädte und Ortskerne zu stärken und zu beleben. Es sei aber schwer gegen den Online Einkauf anzukämpfen. Aufklärung sei hier dringend geboten. Deswegen führe ich solche Gespräche, meinte der Abgeordnete abschließend.“

Abgeordnetenbüro Klaus Steiner, MdL

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