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MdL Klaus Steiner: „Schnellere Entnahmen des Wolfs – Auf aktuelle Wolfsrisse reagieren“

08.03.2021

Die aktuellen Wolfsrisse in Franken hat der Traunsteiner Stimmkreisabgeordnete, Klaus Steiner, erneut zum Anlass genommen auf die Probleme für die Almwirtschaft hinzuweisen und mit Nachdruck eine Absenkung der Schutzvorgaben für Wölfe zu fordern. Über einen Dringlichkeitsantrag den Steiner und weitere Landtagskollegen nächste Woche im Landtag einbringen werden, soll der Schutzstatus des Wolfes überprüft werden. 

Darin wird die Staatsregierung aufgefordert: „Auf allen politischen Ebenen darauf hinzuwirken, den Schutzstatus des Wolfes zu überprüfen, so anzupassen, dass der aktuell ständig steigenden Wolfspopulation in Deutschland Rechnung getragen wird und entsprechende Reduzierung unter Berücksichtigung der Vorgehensweise in Frankreich und Skandinavien ermöglicht wird“.

Hintergrund für den Antrag sind die aktuellen Risse von Gehegewild in Oberfranken, der kontinuierliche Anstieg der Bestände seit Jahren in allen Teilen Deutschlands und die damit verbundenen Folgen für die Weidetierhaltung im Allgemeinen und für die Almwirtschaft im Chiemgau und drüber hinaus im Besonderen.

Bereits mehrmals in den letzten Jahren, zuletzt nach den Wolfsrissen in Reit im Winkel und im benachbarten Kössen, im Sommer 2020, wies der Abgeordnete, der im Agrarausschuss u.a. zuständiger Berichterstatter für die Alm- und Forstwirtschaft ist, in aller Deutlichkeit auf die Probleme für die Almbauern durch den Wolf hin.

Er fordert in den Landtagsdebatten immer wieder auf die Beurteilung der Lage durch Praktiker, wie die Almbauern, denen bei einem dauerhaften Auftreten von Wölfen und Bären, die weitere Bewirtschaftung der Almen, etwa im Chiemgau, nicht mehr oder nur mit einem sehr hohen Aufwand möglich sei, zu hören. „Jeder freut sich über die herrliche Kulturlandschaft der Almen, aber diejenigen, die diese erhalten, werden zu wenig berücksichtigt“, beschreibt Steiner die aktuelle Diskussion.

„Die zunehmenden Wolfsrisse u.a. aktuell in Franken zeigen erneut, dass wir hier dringend handeln müssen“. In einem dicht besiedelten und genutzten Land müsse die Politik aktiv regelnd einschreiten. Wir dürfen keine Zeit mehr mit Debatten darüber verlieren, wie der Wolf zu schützen ist und wie er sich noch zahlreicher verbreiten kann“, so der Landtagsabgeordnete. 

Lt. Steiner gehe es jetzt um den Schutz der Weidetiere, bloße Entschädigung sei nicht die Lösung. „Die Weidetiere leisten wertvolle Landschaftspflege und sind Erwerbsgrundlage für viele Bauernfamilien“. Die Wolfsbestände müssen frühzeitig reguliert werden“, so Steiner. Für den Erhalt einer gesunden und nicht vom Aussterben bedrohten europäischen Wolfspopulation sei es nicht erforderlich, dass Wölfe in allen Teilen Europas in gleicher Dichte vorkommen und jedes denkbare Territorium mit Wölfen besetzt wird.

Steiner warnte: „Wenn die EU und das Bundesumweltministerium hier nicht schnell handeln, zum Beispiel durch ein länderübergreifendes Monitoring und verbesserte Regulierungsmöglichkeiten, droht die Aufgabe naturnaher und tierwohlgerechter Landwirtschaft, wie die Almwirtschaft in unserer Region“. Gerade im alpinen Raum und speziell bei Rindern, sei ein zumutbarer und verhältnismäßiger Herdenschutz oft nicht möglich. 

Er kritisierte das Fehlen eines gesamteuropäischen Vorgehens bei der Beurteilung des sog. Erhaltungszustands, also der Höhe der Wolfpopulation. 

„Es ist nicht nachvollziehbar, warum in jedem Mitgliedsstaat einzeln der so genannte ‚günstige Erhaltungszustand‘ in einer „biogeografischen Region“ hergestellt werden muss“, so Steiner. 

Man müsse in der Diskussion die entscheidende Frage stellen: Wie viele Wölfe verträgt unsere dicht besiedelte Kulturlandschaft? 

 

Steiner setzt sich bereits seit Jahren für eine sachlich orientierte Diskussion ein. „Beim Thema Wolf brauchen wir eine ganz andere Sichtweise“. Das Grundproblem sei, dass wie bei anderen Tierarten, die vor dem Aussterben bedroht waren, wie etwa Biber, Fischotter etc., eine sehr strenge Unterschutzstellung erfolgte, in deren Folge sich die Bestände wieder erholten. Dies sei grundsätzlich auch richtig, aber sei dann oft nicht mehr kompatibel mit unserer Kulturlandschaft, wie etwa den Almen. Übersehen werde immer wieder, bei Unterschutzstellung auch rechtlichen Mechanismen einzubauen, die eine Entnahme einer bestimmten Zahl, bei der Erholung der Bestände, von vorneherein regelt. Diese ist aber notwendig, weil es oft einer Überpopulation komme. Das könne man beklagen oder kritisieren, aber es sei die Realität. Biber und Kormorane seien weitere aktuelle Beispiele hierfür.

Es sei richtig, dass man sich anderswo in Europa mit dem Wolf arrangiert habe. Das seien aber immer Regionen mit dünner Besiedelung, wenig Verkehrsachsen, Gewerbegebiete, Freizeitnutzung oder ohne Almwirtschaft, wie etwa im bayerischen Alpenraum. 

Steiner plädierte dafür, keine Diskussionen zu führen, ob der Wolf hier eine „Berechtigung“ habe oder nicht. Jedes Tier habe seine Berechtigung, aber die entscheidende Frage sei, ob Wolf oder Bär in unseren Wäldern und Bergen, wo es keinen noch so schmalen Pfad gebe, auf dem nicht Freizeitsportler unterwegs seien, noch einen Lebensraum vorfinden, in dem sie in Ruhe, artgerecht leben können und nicht von der geballten Freizeitfront, Tag und Nacht, und zu jeder Jahreszeit, auf Trapp gehalten werden und dem dichten Straßenverkehr zum Opfer fallen. Bemühungen, große Beutegreifer in dieser Kulturlandschaft wieder anzusiedeln oder einen Lebensraum herbeizureden, sei die Beruhigung des schlechten Gewissens der Zivilisation, die eben solche Arten ausgerottet habe, wie einst Auerochse oder Wisent. „Es ist das berühmte Pfeifen im Walde und man tut dieser Tierart damit keinen Gefallen“, so der Abgeordnete. 

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