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„Mehrgliedrigkeit des Schulwesens erhalten“

Klaus Steiner im Gespräch mit Leiterin der Agentur für Arbeit Traunstein, Jutta Müller

24.09.2012
Klaus Steiner im Gespräch mit Jutta Müller
Klaus Steiner im Gespräch mit Jutta Müller

Die Umsetzung der Inklusion in Bayern, die Zukunft des Landkreises Traunstein als Wirtschafts- und Arbeitsregion und der zunehmende Fachkräftemangel standen im Mittelpunkt eines Arbeitsgesprächs der Leiterin der Agentur für Arbeit Traunstein, Jutta Müller, mit dem Traunsteiner Stimmkreisabgeordneten im Bayerischen Landtag, Klaus Steiner.

Vor dem Hintergrund seiner Arbeit in der fraktionsübergreifenden Arbeitsgruppe des Landtags zur Umsetzung der Inklusion in Bayern sprach Steiner mit Jutta Müller, wie die Integration behinderter Menschen in die Ausbildungs- und Berufswelt gelingen kann. „Betriebe sind keine sozialen Einrichtungen und können nur bis zu einem gewissen Grad Betreuung leisten“, stellte die Agenturleiterin hierzu fest. Die Arbeitgeber sollten bei der Ausbildung von beeinträchtigten Jugendlichen deshalb noch besser unterstützt werden. „Dies erfordert tatsächlichen Personaleinsatz, nicht nur virtuellen“ stellte Müller klar. Nach Meinung von Klaus Steiner müssen die Förderschulen – etwa in Traunreut - dennoch erhalten bleiben und dürften nicht einer politisch korrekten Diskussion geopfert werden. Auch Müller wandte sich gegen die Abschaffung von Förderschulen, wie sie in einigen Bundesländern vorgenommen werde. Im Gegenteil brauche es mehr Berufsförderschulen. Deren besonderes Know how sei enorm wichtig und müsse auch den Regelberufsschulen zur Verfügung gestellt werden. 

Trotz der aktuell sehr guten Arbeitsmarktzahlen für den Landkreis Traunstein, waren sich Steiner und Müller einig, dass diese nicht über große künftige Herausforderungen hinwegtäuschen dürften. Zu diesen zählt Jutta Müller den sich in einigen Branchen bereits jetzt zeigenden Mangel an Fachkräften. Die öffentlich immer wieder aufkeimende Forderung nach mehr Zuwanderung von Arbeitskräften aus dem Ausland sei dabei ein Teil der Lösung, jedoch auch kein Allheilmittel. Mit einer Reduzierung der Zahl von Schulabbrechern wäre laut Müller schon viel geholfen. „Die Zuwanderung muss parallel zur Aktivierung unserer inländischen Arbeitskräfte geschehen; ein eingleisiges Vorgehen trägt nicht“, so Müller. Auch eine Erhöhung der Frauenerwerbsquote sei dringend notwendig, weshalb Staat und Wirtschaft die Vereinbarkeit von Familie und Beruf deutlich verbessern müssten. Die Zunahme von Home-Office-Jobs und Telearbeit seien dabei ein Mosaikstein, jedoch bedürfe es auch hierfür einen Ausbau der Breitbandversorgung im ländlichen Raum, so Müller weiter.

Für Klaus Steiner gehen die Forderungen nach mehr Zuwanderung in mehrerlei Hinsicht an der Realität vorbei. „Wir führen hier in weiten Teilen eine oberflächliche Scheindebatte. Wir müssen zunächst einmal alle bereits im Land vorhandenen Potenziale nutzen und in den angesprochenen Bereichen Schul-, Ausbildungs- und Studienabbrecher ansetzen“, so Steiner. Auch könne es nicht angehen, dass viele Arbeitnehmer, die älter als 50 sind, trotzt Geeignetheit von den Unternehmen nicht eingestellt würden. Im Gegenteil hätten viele Großunternehmen in der Vergangenheit Arbeitnehmer aus dieser Generation entlassen. „Bevor wir über mehr Zuwanderung reden, ist zunächst einmal ein Mentalitätswandel in der Wirtschaft erforderlich“, mahnte Steiner deshalb.

Auch die Beschränkung der Debatte um den Fachkräftemangel auf akademische Berufe und IT-Kräfte ist Steiner zu oberflächlich. „Ein Blick in die Liste der Mangelberufe hier im Landkreis Traunstein zeigt: Wir brauchen auch mehr Metallbauer, CNC-Fräser, Bäcker, Metzger, Werkzeugmacher, Maurer, Maler, Krankenpfleger und so weiter. Vor diesem Hintergrund halte ich auch die immer wieder auftauchenden Forderungen nach Abschaffung der Hauptschule für völlig verfehlt. Denn deren Absolventen werden gerade in diesen Berufen dringend gebraucht. Deshalb wollen wir die Hauptschule mit dem Konzept der Mittelschule stärken anstatt sie abzuschaffen“, so Landtagsabgeordnete, der auch Mitglied im Bildungsausschuss ist. Auch Jutta Müller unterstrich die wichtige Rolle der Mittelschule bei der Bewältigung des Fachkräftemangels, denn „die Mittelschule ist die am stärksten berufsorientierte Schulform. Die Mehrgliedrigkeit des Schulwesens ist wichtig und muss erhalten werden.“ Daneben müsse man über Möglichkeiten nachdenken, wie man die Attraktivität von Handwerksberufen steigern könne, etwa durch verbesserte Eigenwerbung.

Neben dem Fachkräftemangel konstatierte Klaus Steiner noch eine Reihe weiterer Herausforderungen für die Wirtschafts- und Arbeitsregion Landkreis Traunstein, darunter den Erhalt und Ausbau der Infrastruktur. „Der Ausbau von Verkehrswegen ist kein Politiker-Steckenpferd, sondern essentiell für den Erhalt von Arbeitsplätzen und Wohlstand“, so Steiner. Nicht nur die Industrie, sondern auch mittlere und kleine Betriebe in der Region seien europa- und weltweit vernetzt und deshalb auf ein leistungsfähiges Verkehrsnetz angewiesen. Laut Jutta Müller für eine zukunftsgerichtete Entwicklung der Region mehr Zusammenarbeit und Koordination zwischen den einzelnen Körperschaften  notwendig. „Kraft und Zukunft liegen in der Gemeinsamkeit, nicht in der Abgrenzung. Wenn jeder alles bei sich anbieten möchte, wird es unterm Strich für niemanden reichen.“

Abgeordnetenbüro Klaus Steiner, MdL

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