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Spaenle bricht eine Lanze für Mittelschule

Kultusminister diskutiert mit Lehrern und Unternehmern

26.05.2012
Kultusminister Spaenle (Mitte) mit Klaus Steiner (links) und Sepp Daxenberger (rechts)
Kultusminister Spaenle (Mitte) mit Klaus Steiner (links) und Sepp Daxenberger (rechts)

„Bildungs- und Schulpolitik ist eines der zentralen landespolitischen Themen“, betonte der bayerische Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle bei einem Diskussionsabend in der Schreinerei Daxenberger in Seeon, der unter dem Motto „Das bayerische Schulsystem – ein starker Partner für die Zukunft“ stand. Bevor sich der CSU-Politiker fast zwei Stunden lang den kritischen Fragen von Lehrern, Kommunalpolitikern und Eltern stellte, hatte er 45 Minuten lang leidenschaftlich für das mehrgliedrige bayerische Schulsystem geworben.

Jede bayerische Schulart habe ihre Berechtigung, stellte Spaenle klar. Er verteidigte vor allem die neue Mittelschule, in der die Schüler „dank des dualen Ausbildungssystems ganz individuell auf das Arbeitsleben vorbereitet werden“. Die immer größere Aufsplitterung der Berufe stelle hier eine große Herausforderung dar. Die Mittelschulen als „Restschulen“ oder deren Schüler als „Restschüler“ zu bezeichnen, sei nicht nur in der Wahrnehmung von Lehrkräften, Eltern und Schülern „schrecklich“, sondern gesellschaftlich unverantwortlich, empörte sich Spaenle unter lautem Applaus. Mit Hilfe der Mittelschulverbunde sei es gelungen, langjährige Schulstandorte vor Ort aufrechtzuhalten.
 Durch die Umsetzung des bildungspolitischen Credos „kein Abschluss ohne Anschluss“ könne in Bayern jedes Kind das nächsthöhere schulische Ziel anstreben, stellte Spaenle klar. Er verwies darauf, dass jede weiterführende Schule den mittleren Schulabschluss ermögliche. Auch die erste Schulwahl nach der Grundschule bedeute keinesfalls eine definitive Entscheidung über die schulische Laufbahn des Kindes – dies garantiere das durchlässige und flexible bayerische Schulsystem. Dessen Gegenentwurf sei die Gesamtschule. „Wenn man weiße und schwarze Sauce zusammenmischt, kommt nur ein brauner Matsch heraus“, erteilte der Kultusminister dieser eine klare Absage.
 „Wir brauchen auch gut ausgebildete Leute im Handwerk und Gewerbe“, betonte der CSU-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Klaus Steiner. Er unterstrich in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Mittelschulen. Die Gesamtschule wäre für ihn das „Ende des bisherigen Gymnasiums, der bewährten Realschule und der Haupt- beziehungsweise Mittelschulen“. Bayern stehe im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern für ein „mehrgliedriges differenziertes Schulsystem mit einer individuellen Förderung“.
In Sachen „Inklusion“ wies Steiner den Förderschulen eine zentrale Rolle zu, da es immer mehr Kinder gebe, die eine besondere Förderung benötigen. Auch weil Eltern, Betriebe und Schulen genug von den Reformen hätten, gelte es nun „nach vorne zu schauen, das jetzige Schulsystem zu verteidigen und nur noch punktuell „nachzujustieren“. Knapp acht Jahre nach der Einführung des achtstufigen Gymnasiums und ein Jahr nach dem doppelten Abiturjahrgang, sehe er auch hier noch gewisse Optimierungspotentiale.
 Im Rahmen der Diskussion lobte ein Besucher die kleinenKlassen an den ländlichen Grundschulen, dafür gingen ihm Lehrerstunden ab. Spaenle erwiderte, dass im Zuge des Nachtragshaushalts 2011/2012 zusätzlich 164 Millionen Euro in das Budget des Ministeriums fließen würden, womit unter anderem rund 1000 Lehrerplanstellen finanziert werden sollen. Die Zahl der Lehrer in Bayern sei aber bereits auf dem höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg – und das bei weiter sinkenden Schülerzahlen. Das Problem sei, so Spaenle, dass den Schulämtern Lehrerstunden pro Kind zugewiesen werden, und Klassen auf dem Land mit weniger als 23 Kindern keinen kompletten Lehrer „erwirtschaften“ könnten.
 
 
 
Auch Kreisrat Robert Aigner zeigte sich schockiert, „dass so viele Stunden ausfallen“. Die Forderung des Tittmoninger Bürgermeisters Konrad Schupfner, die offene Ganztagsschule auch für die Grundschule zu öffnen, lehnte Spaenle ab und verwies auf bestehende Möglichkeiten der Mittagsbetreuung. Angesprochen auf den Übertrittsdruck und -stress in der vierten Klasse, brach der Minister eine Lanze für „seine“ Lehrer – die Eltern hätten „die abschließende Verantwortung“. Claudia Daxenberger aus Truchtlaching warf hier ein: „Viertklasslehrer müssten eigentlich eine Elterngefahrenzulage erhalten“. Gesamtschulen halte er auch in diesem Zusammenhang für den falschen Lösungsansatz, so Spaenle.
 Für Inzells Dritten Bürgermeister Siegfried Walch ist der zunehmende Fachkräftemangel eine „Gefahr für die Wirtschaft“. Von den Mittelschulen verspricht sich der Unternehmer „eine Imageaufwertung für das Handwerk“. Den Schulen werde oftmals „zu viel aufgelastet“, mahnte der stellvertretende Landesvorsitzende der Jungen Union an und appellierte an die Verantwortung der Eltern.
 Eine Grundschullehrerin aus Traunreut beklagte, dass ihre 21 Schüler, von denen nur drei keinen Migrationshintergrund hätten, mit der Fülle des Schulstoffs und dem Lernstress überfordert seien. Auch die Konkurrenz zwischen den Schulen müsse aufhören.
 „Wenn Sie wieder neue Lehrpläne konzipieren, behalten Sie bitte die alten Fächernamen bei“, forderte der Rektor der Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule Traunstein, Hubert Schmid – sonst kenne sich keiner mehr aus. Der Obinger Mittelschullehrer Andreas Dorn ist bei der Wasserwacht Seebruck und schlug vor, den Schwimmunterricht an den heimischen Naturgewässern durchzuführen. Spaenle entgegnete, dass die Sicherheit der Kinder im Vordergrund stehe. Auf wenig Gegenliebe stieß der Vorschlag einer Mutter, die Kinder schon in der Vorschule mit umfassendem Schulstoff zu konfrontieren. Die Antwort: Man müsse den Kindern „die Zeit geben, die sie brauchen“.

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