Aus dem Stimmkreis

Presseartikel von und über uns.

Wasserwirtschaftsamt Traunstein nahm bei Fachgespräch mit Experten Stellung zu verschiedenen Vorwürfen

Bürger kritisieren „ausgeräumte Landschaft“

30.04.2019

Künftig soll es mehr Transparenz bei Maßnahmen für den Hochwasserschutz an der Tiroler Achen geben: Das sicherte der Leiter des Wasserwirtschaftsamts Traunstein dem Stimmkreisabgeordneten Klaus Steiner bei einem Fachgespräch in der Behörde zu. Ebenso sollen Verbände mit berechtigten Interessen wie die Imker und Fischer nach Möglichkeit rechtzeitig in laufende Planungen eingebunden werden. Bei dem Gespräch, an dem Vertreter der Landwirtschaft, der Fischerei und der Imker teilnahmen, wurden die Hintergründe für die seit einigen Jahren laufenden Hochwasserschutzmaßnahmen an der Tiroler Achen erläutert. Im Vorfeld hatten sich immer wieder Bürger an Klaus Steiner gewandt und „Kahlschlagktionen“ sowie Bereinigungsmaßnahmen an den Achendämmen kritisiert. Von Problemen hatten auch die Fischer und Imker berichtet.

Wie lassen sich die Maßnahmen für den Hochwasserschutz an der Tiroler Achen in Einklang bringen mit den Bedürfnissen von Tier- und Umweltschutz? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Fachgesprächs zwischen Experten aus Landwirtschaft, Fischerei, Imkerei und Jagd sowie Mitarbeitern des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein, das der Stimmkreisabgeordnete Klaus Steiner (CSU) angeregt hat.

Nach den zum Teil massiven Eingriffen der Behörde am Achendamm infolge der Hochwasserkatastrophe von 2013 habe es immer wieder besorgte Anfragen von Bürgern und Verbänden in seinem Büro gegeben, berichtete Steiner zum Auftakt der Unterredung. Von „radikalen Abholzmaßnahmen“ und einem „Ausräumen der Landschaft“ sei die Rede gewesen. Auch mit Blick auf Artenvielfalt, Insektensterben und die Probleme der Fischer sei zu fragen, was fachlich notwendig sei und wo Spielraum bestehe. Im Sommer vergangenen Jahres hatte es bereits einen ersten Gesprächstermin zum Thema mit Klaus Steiner an der Achenbrücke bei Almau gegeben, bei dem Kritik laut geworden war.

Die Hintergründe der Sanierungsmaßnahmen des Wasserwirtschaftsamts Traunstein erklärten Landespflegerin Silvia Stockinger und Abteilungsleiter Korbinian Stettwieser in einer kurzen Präsentation. Demnach habe die Behörde bereits 2006 unter Einbeziehung von Naturschutzexperten ein naturverträgliches Deichpflegekonzept erstellt. Dieses sehe ergänzend zur Deichmahd  den insektenschonenden Abtransport des Mähguts ohne Absaugen und Mulchen vor.

2018 erstellte das Wasserwirtschaftsamt ergänzend ein Konzept zur Gehölzpflege an den unterschiedlich gefährdeten Deichabschnitten der Tiroler Achen. Der Standsicherheit der Deiche wurde dabei mit Blick auf den Hochwasserschutz Vorrang vor ökologischen Aspekten und dem Landschaftsbild eingeräumt. Flachwurzler wie Fichten wurden generell entfernt. Wie Stettwieser erläuterte, habe man natürliche Aufweitungen wie oberhalb der Raitener Brücke durch entsprechende Uferbefestigungen gesichert. Umgekehrt seien zwischen 2016 und 2018 massive Sediment- und Kiesablagerungen ausgeräumt worden. Diese hatten den Durchflussquerschnitt über Jahrzehnte hinweg verringert und den Achenpegel ansteigen lassen.

In der Diskussion kam die Frage auf, ob man die Dämme nicht durch Schafe beweiden lassen könne. „Man findet keine Schäfer dafür“, erklärte Silvia Stockinger. Die Bedeutung schattenspendender Bäume als Sonnenschutz für Fische brachte Josef Schiller, Vorsitzender des Anglerbunds Chiemsee, als Argument ein. Klaus Steiner ergänzte dies mit seiner Frage nach der Anpflanzung von Weiden. Amtschef Walter Raith hielt dem die Gefahr der Durchwurzelung und die Forderung nach Standsicherheit der Deiche entgegen. Kleine Spielräume gebe es eventuell in Bereichen, die durch eisenbewehrte Spundwände im Boden verstärkt sind.

Eine bessere Vorabinformation über die Hintergründe der als „massiv“ empfundenen Eingriffe forderte Peter Bichler, Kreisvorsitzender des Verbands Bayerischer Bienenzüchter. Walter Raith erläuterte dazu, dass im Rahmen der – mittlerweile beendeten - Vorlandräumung zur Verbreiterung des Durchflusses umfangreiche Materialmengen abtransportiert werden mussten. Die letzte Deichsanierung sei in den 1960er-Jahren vorgenommen worden. Künftig sei zu überlegen, vorab im Rahmen von Führungen und Gesprächen über größere Vorhaben zu informieren.

Eine rege Diskussion gab es über den ergänzenden Einbau verschiedener Strukturelemente wie Weidenbürsten, Steine, Rechen oder Totholz in der Tiroler Achen. In ihnen können Fische und Kleinstlebewesen Unterschlupf finden. Heuer wolle man damit im Bereich der Grassauer Kläranlage anfangen, erklärte Korbinian Stettwieser. Für vier Abschnitte zwischen der Autobahn und dem Lager Steffl bei Übersee werde aktuell ein Sanierungskonzept erstellt.

Ob es Erkenntnisse über die Belastung der Tiroler Achen mit Rückständen aus Medikamenten und Antibiotika gebe, wollte Klaus Steiner wissen. Josef Schiller wies dazu auf die bereits feststellbare Unfruchtbarkeit von Fischen in bestimmten Gewässern hin. Amtschef Walter Raith verwies diesbezüglich auf bayern- und deutschlandweite Studien und die Schwierigkeit, die Vielzahl chemischer Einzelstoffe im Wasser nachzuweisen. Einig waren sich die Gesprächsteilnehmer über die Notwendigkeit eines besseren Informationsaustausches mit Experten und der Öffentlichkeit.

Abgeordnetenbüro Klaus Steiner, MdL

Äußere Rosenheimer Straße 2
83278 Traunstein
Telefon : +49 (861) 8589
Telefax : +49 (861) 15475
E-Mail  : mdl@klaus-steiner.de