Aus dem Stimmkreis

Presseartikel von und über uns.

Praxisnaher Umweltschutz in der Landwirtschaft?

Vertreter des Fachzentrums Agrarökologie diskutierten in Marquartstein mit Experten über Konfliktherde

29.03.2019

Das Thema Artenvielfalt und Landwirtschaft wird aktuell nicht nur von Experten am runden Tisch von Ministerpräsident Markus Söder in München rege diskutiert. Auch bei einem Fachgespräch mit Landwirten, Vertretern von Naturschutzverbänden und Imkern in Marquartstein ging es heftig zur Sache. Welche Maßnahmen zum Umwelt-, Natur- und Artenschutz aktuell bereits in der Landwirtschaft umgesetzt werden, zeigten Bereichsleiter Alois Ilmberger und seine Mitarbeiterin Andrea Bachmeier vom oberbayerischen Fachzentrum Agrarökologie in Pfaffenhofen an der Ilm auf 

Der Stimmkreisabgeordnete Klaus Steiner (CSU), der das Treffen organisiert hatte, sagte, dass das Volksbegehren die Notwendigkeit zu mehr Aufklärung über die Zusammenhänge in der Landwirtschaft deutlich gemacht habe.  Zerrbilder einer lebensfeindlichen Agrarindustrie seien ebenso wenig dienlich wie idyllische Vorstellungen von der „Bullerbü-Landwirtschaft“: „Wir müssen im Dialog wieder zueinander finden.“ Mit der gezielten Förderung der bäuerlichen Landwirtschaft und umfassenden agrarökologischen Maßnahmen beschreite Bayern seit Jahren einen anderen Weg als andere Bundesländer. Nicht zuletzt deshalb seien bundesweit 80 Prozent der schützenswerten Arten im Freistaat anzutreffen.

Alois Ilmberger umriss das Aufgabengebiet des Fachzentrums Agrarökologie, das am Landwirtschaftsamt in Pfaffenhofen an der Ilm angesiedelt ist. Neben dem Vollzug der Düngeverordnung und der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie mit entsprechenden Aufklärungsangeboten bildet auch die Beratung zum Thema Wildlebensraum einen Schwerpunkt.

Die Bandbreite geeigneter Maßnahmen für die Gestaltung ökologischer Vorrangflächen im Rahmen des Greenings stellte Andrea Bachmeier vor. Besondere Bedeutung kommt dabei der Wahl geeigneter Zwischenfrüchte und Zwischenfruchtmischungen zu. Sie tragen dazu bei, die Bodenerosion zu verringern sowie die Bodenfruchtbarkeit und das Bodenleben zu verbessern, die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens zu steigern und den Stickstoffaustrag zu vermindern.  

Bachmeier stellte auch die wachsende Bedeutung der Durchwachsenen Silphie als Alternative zum Mais heraus. Sie biete langfristig gute Erträge, eigne sich für Biogasanlagen, schütze den Boden und biete Insekten in den Monaten Juli und August eine wichtige Nahrungsquelle. Wie eine differenzierte Grünlandbewirtschaftung einerseits die Eiweißversorgung des Betriebs sichern und anderseits die Artenvielfalt fördern könne, zeigte Bachmeier an weiteren Beispielen auf.

In der Diskussion sah Klaus Noichl aus Grassau beim Häckseln der an sich begrüßenswerten Blühstreifen ein Problem darin, dass dadurch viele Insekten die Grundlage zum Überwintern entzogen würde. Von anderer Seite wurden auch Mulchaktionen im Herbst als kritisch für den Insektenbestand gesehen.  Für den Grundsatz „Freiwilligkeit statt rechtlicher Gängelung“ machte sich Franz Gruber aus Traunstein stark. Dies hätte im letzten Jahr 80 Kilometer neue Blühstreifen in zwei Landkreisen und eine Fläche von 70 Hektar gebracht, auf der Silphie angepflanzt wurde. Allzu rigorose Vorgaben könnten sich künftig als kontraproduktiv für die Pflanzung neuer Hecken erweisen.

Die Gefahren der Winddrift bei gespritzten Feldern für Insekten, die Mulchproblematik und die richtige Saatgutmischung für Blühstreifen sprach Franz Vollmaier, Vorsitzender des Verbands Bayerischer Bienenzüchter an. Wie die Biotopausweisung zu Problemen beim Stallbau führen kann, erläuterte Michael Hofer aus Staudach: „Zuviel Regulierung macht mehr kaputt als Nutzen zu schaffen.“ „Mehr Rechtssicherheit für Bauern“, forderte ergänzend Alfons Leitenbacher, Chef des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Traunstein. So habe etwa die Baumschutzverordnung dazu geführt, dass weniger Bäume gepflanzt werden.

Frank Weiß, Kreisvorsitzender des Landesbunds für Vogelschutz in Traunstein, machte deutlich, dass die bisher freiwilligen Maßnahmen der Landwirte für den Schutz der Artenvielfalt „nichts gefruchtet haben“: „Ein paar Meter Blühstreifen reißen uns nicht raus.“ Einig war man sich in der Diskussion, dass Artenvielfalt als gesellschaftliche Aufgabe nur über faire Preise und den Schulterschluss zwischen Landwirten, Verbrauchern und Lebensmitteleinzelhandel zu lösen sei.


Abgeordnetenbüro Klaus Steiner, MdL

Äußere Rosenheimer Straße 2
83278 Traunstein
Telefon : +49 (861) 8589
Telefax : +49 (861) 15475
E-Mail  : mdl@klaus-steiner.de